Welche Rahmengröße brauche ich: Schrittlänge messen, dann zwischen zwei Größen entscheiden

Größe bestimmen ist eine Viertelstunde Arbeit mit einem Maßband und einem gebundenen Buch. Am Ende stehen zwei Kandidatengrößen, nicht eine — und die zweite Hälfte dieses Ratgebers erklärt, wie du zwischen ihnen wählst.

Ein Rennrad von der Seite, vor schlichtem Hintergrund fotografiert

Die Körpergröße ist die falsche Ausgangszahl

Fast jede Größentabelle fragt zuerst nach deiner Körpergröße. Die Körpergröße sagt wenig über die Rahmengröße, denn sie ist die Summe aus zwei Maßen — Beine und Oberkörper —, und ein Fahrrad behandelt die beiden getrennt. Zwei Fahrer, die beide 175 cm groß sind, können mehrere Zentimeter Unterschied in der Schrittlänge haben. Der eine braucht einen Rahmen, über dem der andere nicht stehen kann.

Die Schrittlänge ist die Zahl, die entscheidet. Sie legt fest, wie viel Sattelstütze du brauchst, um auf eine korrekte Sattelhöhe zu kommen, und ob du über dem Rahmen stehen kannst. Kein Bauteil rettet einen Fehler an dieser Stelle: Eine Sattelstütze, die nicht tief genug hineingeht, ist ein dauerhafter Mangel, und ein Oberrohr, über das du an der Ampel nicht kommst, ebenso.

Also: Schrittlänge messen, mit einer Tabelle zwei Kandidatengrößen bestimmen, dann mit Reach und Stack eine davon auswählen. Sitzt der Rahmen erst einmal, sind die Sattelhöhe und der Rest der Einstellung eine Sache der Justage und kein Kompromiss.

Die Schrittlänge richtig messen

Du brauchst ein gebundenes Buch, ein Maßband, einen Bleistift und eine Wand, an der du eine Markierung machen darfst. Eine zweite Person hilft, ist aber nicht nötig. Nimm nicht die Innenbeinlänge aus einer Hose: Das ist ein Konfektionsmaß, das unterhalb der anatomischen Schritthöhe endet, und es macht dich zu klein.

  1. Stell dich barfuß an eine freie Wand

    Fersen, Gesäß und Schultern berühren sie, die Füße etwa 15 cm auseinander, das Gewicht gleichmäßig auf beiden Beinen. Schuhe tragen auf und dicker Teppich schluckt Höhe, arbeite also auf hartem Boden.

  2. Nimm das Buch zwischen die Beine, Buchrücken nach oben

    Halte es waagerecht und schieb es kräftig nach oben, bis es stoppt — fest genug, um das Sitzen auf einem Sattel nachzuahmen, aber nicht so fest, dass du dich vom Boden abhebst. Der Buchrücken liegt flach an der Wand und waagerecht.

  3. Markiere die Oberkante des Buchrückens an der Wand

    Halte das Buch dabei waagerecht. Wenn dir jemand hilft, lass ihn die Markierung setzen, während du das Buch gerade hältst.

  4. Miss vom Boden bis zur Markierung

    Senkrecht nach unten, das Maßband an die Wand gelegt, damit es sich nicht durchbiegt. Notiere den Wert auf den halben Zentimeter genau. Das ist deine Schrittlänge.

  5. Mach das noch zweimal

    Tritt weg und wiederhole den ganzen Ablauf. Die Versuche schwanken um einen Zentimeter und mehr, je nachdem, wie kräftig du das Buch nach oben ziehst. Nimm den Mittelwert aus den dreien.

  6. Notier gleich auch deine Körpergröße

    Barfuß, dieselbe Wand, das Buch flach auf dem Kopf. Du willst beide Zahlen, denn eine Tabelle, die deiner Schrittlänge widerspricht, sagt dir etwas über deine Proportionen.

Eine für deine Körpergröße hohe Schrittlänge bedeutet lange Beine und einen kurzen Oberkörper: meist der kleinere der beiden Kandidatenrahmen, mit hoch gestelltem Sattel. Eine niedrige Schrittlänge bedeutet einen langen Oberkörper, und dann ist häufiger der größere Rahmen mit einem kürzeren Vorbau richtig. Dieser Vergleich erklärt die meisten Fälle, in denen eine Tabelle jemanden gründlich in die Irre schickt.

Was die Zahl am Rahmen bedeutet

Rennradrahmen werden in Zentimetern verkauft. Die Zahl ist die Sitzrohrlänge, und sie hat einen Rahmen ehrlich beschrieben, solange Oberrohre waagerecht verliefen. Moderne Rahmen haben ein abfallendes Oberrohr, also passt derselbe Fahrer bei einer Marke auf einen 56er und bei einer anderen auf einen 54er, ohne dass sich das widerspricht. Manche Marken messen das Sitzrohr Mitte–Mitte, andere Mitte–Oberkante, was die Zahl noch einmal verschiebt.

Mountainbikes und die meisten Gravel- und Fitnessräder verwenden S, M und L. Das ist ehrlicher — es gibt zu, dass die Bezeichnung eine Schublade ist und kein Maß —, aber nicht vergleichbarer: Zwei Mediums verschiedener Marken können 20 mm im Reach auseinanderliegen, und das ist der Unterschied zwischen einer bequemen und einer gestreckten Position.

Das ist echte Uneinigkeit zwischen den Herstellern und kein Verständnisproblem auf deiner Seite, und es kommt keine Norm, die das klärt. Daraus folgt die Regel: Vergleiche niemals Größenbezeichnungen zwischen Marken. Vergleiche die Geometriewerte darunter.

Reach und Stack, die Werte, die sich vergleichen lassen

Moderne Geometrietabellen führen Reach und Stack, und nur ihretwegen ist der Vergleich von Rahmen über Markengrenzen hinweg überhaupt möglich. Beide werden von der Tretlagermitte bis zur Mitte der Steuerrohroberkante gemessen: Reach ist der waagerechte Abstand, Stack der senkrechte. Anders als die Sitzrohrlänge ändern sie ihre Bedeutung nicht, wenn das Oberrohr abfällt.

TretlagerSattelhöheStackReachLenker
Stack ist der senkrechte Anstieg von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Steuerrohrs; Reach ist der waagerechte Weg zum selben Punkt. Auch die Sattelhöhe wird vom Tretlager aus gemessen — deshalb wird sie unabhängig von beiden eingestellt, und deshalb lässt sich ein zu langer Rahmen nicht dadurch retten, dass man den Sattel tiefer stellt.

Mehr Stack heißt eine höhere Front und ein aufrechterer Rücken. Mehr Reach heißt eine längere, tiefere, gestrecktere Position. Ein Endurance-Rennrad wie das Canyon Endurace 7 für 1.899 € ist ein Rennradrahmen mit mehr Stack und etwas weniger Reach als ein Rennrahmen derselben nominellen Größe. Das ist der ganze Unterschied, ausgedrückt in Millimetern.

Wenn du ein Rad besitzt, das dir passt, schreib dessen Reach und Stack auf und nimm sie als Zielwerte. Zehn Millimeter Reach entsprechen ungefähr einer Stufe Vorbaulänge — Vorbauten gibt es üblicherweise von 70 bis 130 mm in 10-mm-Schritten —, ein Rahmen innerhalb von 10 mm um deinen Zielwert ist also anpassbar. Einer, der 30 mm danebenliegt, ist der falsche Rahmen.

Ein Ausgangspunkt, keine Antwort

Die Tabelle unten ist die übliche Zuordnung, wie sie in der ganzen Branche verwendet wird. Sie sagt dir, welche zwei Größen du dir bei einer bestimmten Marke ansehen sollst, und sonst nichts. Nimm die Größe, die sie ausgibt, sieh dir die jeweils benachbarte an und entscheide dann mit Reach und Stack.

KörpergrößeTypische SchrittlängeRennradrahmenMTB / Fitness
145–155 cm65–72 cm47–50 cmXS
155–163 cm71–77 cm50–52 cmXS–S
163–170 cm76–82 cm52–54 cmS
170–178 cm81–87 cm54–56 cmM
178–185 cm86–92 cm56–58 cmL
185–193 cm91–97 cm58–60 cmL–XL
193–200 cm96–102 cm60–62 cmXL
Nur Ausgangsgrößen — prüfe vor dem Kauf die Geometrietabelle der Marke. Die Räder hier passen Fahrern von 145 bis 200 cm.

Wo Körpergröße und Schrittlänge auf verschiedene Zeilen zeigen, folge der Schrittlänge. Diese Zeile bildet ab, wie viel Bein du ins Rad zu falten hast — und genau dafür ist die Tabelle ein Ersatzmaß.

Wenn du zwischen zwei Größen liegst

Den meisten geht es so, und das ist kein Messfehler. Die Regel: Nimm den kleineren Rahmen mit dem kürzeren Reach für Komfort, einen aufrechten Rücken, handliches Fahren bei niedrigem Tempo — oder wenn deine Schrittlänge für deine Körpergröße lang ist. Nimm den größeren Rahmen mit dem längeren Reach für Laufruhe bei Tempo, für lange Distanzen oder wenn Oberkörper und Arme lang sind.

Den Ausschlag gibt, was sich hinterher noch ändern lässt. In einen kleineren Rahmen wächst man leicht hinein: Ein längerer oder höherer Vorbau und eine gekröpfte Sattelstütze strecken ihn. Einen größeren Rahmen bekommt man schwer kleiner, denn ein Vorbau deutlich unter 70 mm lässt die Lenkung nervös werden.

Günstig zu ändern

  • Vorbaulänge und -winkel — grob 25–60 €, und die wirkungsvollste einzelne Anpassung an der Passform überhaupt.
  • Lenkerbreite, und am Rennlenker zusätzlich Reach und Drop des Lenkers.
  • Die Spacer, die ohnehin schon auf dem Gabelschaft sitzen. Ist ein Gabelschaft erst gekürzt, kannst du den Lenker tiefer legen und nie wieder höher.
  • Der Sattel, der eine Komfortfrage ist und keine Größenfrage.
  • Reifen, im Rahmen dessen, was der Rahmen freigibt — 50 der 53 Räder hier fassen mindestens 35 mm.

Unmöglich zu ändern

  • Reach und Stack des Rahmens. Das ist das Rad.
  • Überstandshöhe und Radstand.
  • Wie viel Sattelstütze der Rahmen aufnimmt. Eine Stütze, die über ihre Mindesteinstecktiefe hinaus herausgezogen ist, ist ein struktureller Schaden mit Ansage und keine Lösung für die Passform.

Wann immer du eine Sattelstütze oder einen Vorbau bewegst, zieh die Schrauben auf das auf dem Teil aufgedruckte Drehmoment an. Sattelstützen, Lenker und Gabelschäfte aus Carbon verlangen einen Drehmomentschlüssel statt Gefühl: Sie versagen durch Quetschen, ohne Vorwarnung, und der Wert ist immer niedrig. Wenn du keinen besitzt, macht das eine Werkstatt in wenigen Minuten.

Wenn du noch bei der Frage bist, welche Art Rad es werden soll, und nicht bei der Größe, fang mit den fünf Fragen an, die es entscheiden , oder gib sie dem Finder und lass ihn den Katalog um deine Antworten herum sortieren.

Häufige Fragen

Kann ich nicht einfach einen Größenrechner im Netz nehmen?
Die meisten sind die Tabelle von oben mit einem Formular davor, und für zwei Kandidatengrößen taugen sie. Welche der beiden du nehmen sollst, können sie nicht sagen, denn das hängt am konkreten Rahmen und daran, was du von dem Rad willst. Nimm einen zum Anfangen und vergleiche dann Reach und Stack.
Was, wenn ich zwischen zwei Größen liege und keine der beiden Probe fahren kann?
Nimm die kleinere. Ein kleiner Rahmen lässt sich mit einem längeren Vorbau und einer gekröpften Sattelstütze für deutlich unter 100 € strecken, ein großer lässt sich nicht sinnvoll verkürzen. Das zählt besonders bei Versendermarken, wo du die Probefahrt gegen den Preis tauschst.
Gibt es noch Damenrahmen?
Weniger als früher. Die meisten Marken bieten heute eine Rahmenreihe mit einer breiteren Größenpalette an, dazu einen passenden Sattel und schmalere Lenker — mit der Begründung, dass die Unterschiede zwischen einzelnen Menschen größer sind als der Durchschnittsunterschied zwischen Gruppen. Wo eine Marke beides anbietet, beurteile sie nach Reach und Stack wie jeden anderen Rahmen.
Wie viel macht eine Rahmengröße wirklich aus?
Typischerweise 15 bis 25 mm Reach und ungefähr ebenso viel Stack. Das geht über das hinaus, was ein anderer Vorbau bequem auffängt — deshalb verdient die Größenentscheidung fünfzehn Minuten, während die Einstellungen später auf dem Rad getroffen werden können.
Beeinflusst die Laufradgröße, welche Rahmengröße ich brauche?
Bei einem Erwachsenenrad nicht direkt — die Größe ergibt sich aus Reach, Stack und Überstandshöhe, nicht aus dem Laufrad. Am unteren Ende zählt sie sehr wohl: Ein 29-Zoll-Laufrad begrenzt, wie tief ein Rahmen gebaut werden kann, weshalb manche Marken an ihre XS-Mountainbikes kleinere Laufräder bauen.